Blickwechsel: Drei Fragen an Jaromír Typlt aus Leipzig

Jaromír Typlt im Jahrhundertfeld in Leipzig, fotografiert von Apolena Typltová

Der "Blickwechsel" zwischen Leipzig und Brünn steht im Mittelpunkt des Residenzautorenaustauschs. Daher erzählt in unserer gleichnamigen Reihe jeden Monat eine andere Autorin / ein anderer Autor, wie sie / er die jeweilige Stadt und ihre Menschen erlebt und welche Inspiration dies für die eigene Arbeit bedeuten kann.

Im November laden wir ein zum "Blickwechsel" mit Jaromír Typlt aus Brünn und bitten ihn, uns zu erzählen:

Wenn ich durch Leipzig gehe, dann sehe ich…

… Vieles, was in Kürze verschwunden sein und woran man sich nur noch erinnern wird. Ein einzigartiger Stadtdschungel, der notwendigerweise das übliche Schicksal einer Großstadt erleiden wird: alles wird schrittweise renoviert, gesäubert, auf Glanz poliert und teuer vermietet. Aber bis dahin erlebe ich auf jedem Schritt und Tritt eine Überraschung. All die auffällig gesprayten und halb geöffneten Türen, hinter welchen sich vielleicht eine interessante Bar oder doch nur ein Rückzugsort für Obdachlose verbirgt, denn von außen lässt sich das schwer sagen… All die unwahrscheinlichen Auslagen, manchmal eher private Galerien. So wie bei einem Trödelladen, der statt allerlei Dinge zum Verkauf eher die Vorführung höchst sonderbarer Geräte und in Spiritus eingelegter Wesen anbietet. Auf spannende Weise zum Leben erweckte Fabriken, aber auch auf angenehme Weise verödete Plätze mit wilder Vegetation. Ich, da ich hier nur kurz zu Besuch bin, weiß, dass ich mich von alle dem bereits zu dem Zeitpunkt verabschiede, zu ich es zum ersten Mal erblicke. Ahnen jedoch die Bewohner von Leipzig, dass sie sich auch davon verabschieden müssen?

Wenn ich in der Stadt die Menschen beobachte, dann würde ich gerne wissen, …

… ob auch sie den dunklen Klang dieser tiefen Glocke wahrnehmen, deren Ton eher an einen Gong erinnert. Ob auch sie einmal innenhalten und zuhören?

In meiner Arbeit inspirieren mich …

… fast schon unwahrscheinliche Begegnungen, die sich genauso wie in der Wirklichkeit auch in einem Traum hätten ereignen können. Zufällige, auf der Straße vernommene Worte. Noch gestern ungeahnte Zusammenhänge, die auf einmal so klar werden. Eine Tarotkarte, die zum richtigen Zeitpunkt auf den Nachbartisch in einem Café gelegt wird.

Wer mehr über den vielseitig begabten Künstler wissen möchte:

Einblick in Bild und Ton von Jaromír Typlt und Michal Ratais Performance mit Soundpoetry und experimenteller Musik in der Kulturapotheke in Leipzig gewährt dieses Video.

In der Leipziger Volkszeitung erschien am 29. Oktober dieses Interview mit Jaromír Typlt.

Foto: Das Jahrhundertfeld in Leipzig, fotografiert von Apolena Typltová

 

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