Karel Cudlín: Gesicht der tschechischen Literatur – eine Ausstellung in der Leipziger Stadtbibliothek

Karel Cudlín, Jahrgang 1960, ist eine feste Größe am Himmel der tschechischen Fotografie seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis in die heutige Zeit. Er greift auf die humanistische Tradition zurück, es geht ihm um Menschen in Grenzsituationen (Roma, Flüchtlinge, den Rückzug der sowjetischen Soldaten aus der Tschechoslowakei u. ä.). In seinen, von der Ukraine bis Israel aufgenommenen Fotografien vermischt er ganz natürlich Banalität mit Metaphysik, die Realität der Alltäglichkeit mit der Einzigartigkeit des Augenblicks. Zudem widmet er sich Portraits tschechischer Künstler und Literaten. Fünfzig dieser Arbeiten wurden von Tomáš Kubíček und Radim Kopáč ausgewählt und für die Ausstellung vorbereitet, die vom 18. März bis 22. Juni 2019 in der Leipziger Stadtbibliothek unter dem Titel „Karel Cudlín: Gesicht der tschechischen Literatur“ zu sehen ist. Das Beste kommt zum Schluss: Zur Finissage am 20. Juni, 19:00 Uhr, sind der Fotograf Karel Cudlín, Kurator Radim Kopáč und Schriftsteller Jáchym Topol zu Gast.

Der Fotograf Karel Cudlín wurde am 28. Juni 1960 in Prag geboren. 1987 bekam er einen Lehrstuhl für Künstlerische Fotografie an der Prager Fakultät der musischen Künste (FAMU). Er arbeitete mit zahlreichen bedeutenden tschechischen Zeitungen und Zeitschriften zusammen, in den Jahren 1997 bis 2003 war er einer der offiziellen Fotografen des tschechischen Präsidenten Václav Havel. Er verfasste zehn selbstständige Buchpublikationen, an etwa hundert weiteren beteiligte er sich. Weltweit nahm er an mehr als sechzig Gruppenausstellungen teil, und im Wettbewerb Czech Press Photo gewann er sechzehn Preise. Im Jahre 2016 wurde er an der FAMU habilitiert, wo er als Dozent arbeitet.

„Mein Vater hatte einen Fotoapparat und ich borgte mir ihn von Zeit zu Zeit. Das richtige Interesse an der Fotografie erwachte aber erst am Gymnasium, als ich fünfzehn, sechzehn Jahre alt war, wo jeder in der Klasse etwas machte: einer schrieb Gedichte, der andere malte - und ich, da ich weder malen, noch schreiben konnte, griff nach dem Fotoapparat. Anfangs hatte ich alles geknipst: Kommilitonen, Stillleben, Häuser. Einmal fotografierte ich irgendwelche Roma-Kinder im Sandkasten und es kam ihre Mutter und bat mich, ihr die Fotografien zu geben - und so begann ich, die Familie regelmäßig zu besuchen und weiter zu fotografieren. Sie wohnte nicht weit von uns, sie lebte anscheinend wie wir und doch eigentlich ganz anders. Das faszinierte mich. Das war irgendwann, in den Jahren 77/ 78, und auf einmal hatte ich ein Thema, und ich begann, mich für das Fotografieren als Fach zu interessieren.“

Foto: Karel Cudlín

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